Netzhautablösung – Leben ohne Licht

 

Im August 2006 waren wir mit der Hundeschule im Sommerurlaub, es war eine tolle Woche, wir hatten viel gelernt, doch war bei unserem Roschko eine Veränderung zu spüren: Er wirkte ab und an orientierungslos respektive bei teils Übungen plötzlich unsicher. Auf Anraten unserer Trainerin suchten wir einen Augenarzt auf. Sicherheitshalber checkten wir gleich beide Hunde. Das war ein ziemlich schwarzer Tag.

Beim Dackel wurde ein Altersstar festgestellt, sie sieht alles wie durch einen Schleier. Bis sie komplett erblindet kann es aber noch sehr lange gehen, da die Krankheit nicht rasch fortschreitet. Anders fiel die Diagnose bei Roschko aus. Auch er hat einen Altersstar, hinzu kommt noch eine Netzhautablösung. Die Prognose hielt ich für mich wie folgt fest:

17. August 2006: Netzhautablösung: Ablösung der inneren Anteile der Netzhaut des Auges von ihrer Versorgungsschicht. Roschko sieht nur noch wie durch einen Tunnel durch und mit einem Vergrösserungsglas. Was unmittelbar vor dem Auge ist kann er sehr gut und übergross sehen. Liegt allerdings was auf dem Boden, kann er dies unter Umständen bereits nicht mehr seinen. Stehe ich zwei Meter vor ihm und bewege mich, dann sieht er das gut. Was allerdings etwas auch nur etwas links oder rechts ist, sieht er bereits nicht mehr, was natürlich dazu führen kann das er erschrickt wenn plötzlich etwas kommt. Probleme hat er auch in difusem Licht, bei Dämmerung und Dunkelheit. Seine Pupillen können sich nicht mehr normal anpassen bei Lichtveränderungen. Roschkos Art der Erblindung schreitet viel schneller fort als die von Chiara. Bei ihm muss man zeitig damit rechnen, dass er gar nichts mehr sieht. Einzige Möglichkeit diesen Prozess noch ein wenig rauszuzügern ist ihm eine Art Blutverdünner zu geben, dies verlangsamt das rasche Fortschreiten, kann aber ein totales erblinden nicht mehr verhindern. Es gibt keine Operationsmöglichkeit.

Erst waren wir ja ziemlich von den Socken. Doch wir hatten Glück im Unglück, denn uns blieb noch etwas Zeit um Roschko auf die Zeit ohne Licht vorzubereiten. Da wir für jedes Signalwort auch ein Sichtsignal haben konzentrierten wir uns beim Training vermehrt darauf, dass die Signalworte wirklich klar waren. Die Sichtsignale bauten wir langsam ab, verwenden sie aber sogar heute wo er ganz blind ist aus Gewohnheit noch zuzüglich zum Wort. Zum Glück konnten wir auch noch relativ rasch eine neue Bleibe auf dem Lande beziehen. Dort ist nun Möbelrücken tabu. Des weiteren haben wir uns vor allem darauf konzentriert Roschkos Leben so normal wie immer zu gestalten, er wird weiter gefördert, auch haben wir versucht seine Nase bestmöglich zu aktivieren, damit er die fehlende Sicht etwas ausgleichen kann. 

Unterdessen ist Roschko blind. Ein Umstand der im Alltag kaum auffällt. Was ihm vermehrt Mühe bereitet sind fremde Hunde, die sich ihm nähern, er kann die nicht mehr einschätzen und reagiert daher mit starker Abwehrhaltung. Eine Tatsache die uns länger nachdenken lies als wir uns entschiedenen einen Welpen zu holen. Doch die beiden Jungs haben uns so ziemlich gezeigt wie anpassungsfähig sie sind. Unser blinder Roschko kommt mit Finn sehr gut klar. Finn konnte unser „altes Männchen“ sogar davon überzeugen, dass so ne tägliche Spielrunde sehr spassig ist. Ab und an gibts natürlich auch Reibereien, doch die gibt es wohl meistens wenn ein neues Mitglied zur Familie stösst. Bei uns geschehen die meist in Verbindung mit Futter, eine Ressource die keiner der beiden Herren teilen möchte. 

Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht wie es für Roschko wohl sein könnte. Ein Satz hat uns dabei immer geholfen: Der Hund lebt im hier und jetzt! So sehr wir uns auch wünschen würden, dass Roschko noch etwas sehen könnte, so hat er uns vor allem beigebracht, dass er scheinbar viel selbstverständlicher mit dem Handicap umgeht als wir. Roschko ist einfach ein echt toller Bursche und wir hoffen auf noch ganz viele gemeinsame Tage…

 

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1 Response so far »

  1. 1

    Götti Flo said,

    Lieber Roschko..

    Dein Götti war Tränengerührt beim lesen dieser Nachricht. Ich bin aber froh, dass du mit deinem Handycap so gut umgehst. Und apropo Futter.. Wieso teilen? Schliesslich darf der stärkste und schönste Rüde zuerst essen. Die anderen sollen warten ob was übrig bleibt. hehe.

    Du packst das schon.

    Wuff
    Götti Flo


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